Imprint





Artis öffnet Raum für

FUNDE

31. Oktober bis 30. November 2019

Vernissage:
Donnerstag, 31. Oktober, 19 bis 21.30 Uhr

Finissage:
Samstag, 30. November , 13 bis 16 Uhr

Offen:
Donnerstag, 16 bis 19 Uhr
Samstag und Sonntag, 13 bis 16 Uhr und nach tel. Vereinbarung


Ausstellung von Donnerstag 31. Oktober bis Samstag 30. November 2019

Jan Hostettler – FUNDE

Vor der Galerie plätschert der Brunnen, in konstanter Unregelmässigkeit fahren Autos vorbei durch das Städtli, an einem nassen Herbsttag, der nichts und keine Farbe vor dem Ergrauen verschont. Die Arbeiten in den zwei Ausstellungsräumen scheinen da keine Ausnahme zu machen. Durch die Fenster sind dunkle Rahmen zu erkennen, die an der weissen Rückwand der Galerie, Fenstern gleich, Blicke öffnen in neue Räume und uns als Betrachtende, beim genauen Hinschauen, wieder zurück verweisen in den Aussenraum, in die Welt, zu Autospiegeln und Unfällen, zu Brunnen oder Eisenbahnschienen, hinein in Geschichten und die Geschichte, die vermeintlich weit weg zu sein scheint.

Zu sehen sind neben Objekten vor allem Fotografien und Zeichnungen, irgendwo aufgelesen, selber hergestellt oder manipuliert, absichtslos eingesteckt oder gestohlen und lange aufbewahrt; durch Zufall entdeckt, verbissen gesucht und vor dem Vergessen oder dem Entsorgen gerettet.

Meine Arbeit beginnt nicht im Atelier sondern mit dem entschlossenen Knacken einer Tür, die hinter mir ins Schloss fällt, wenn ich mich auf einen Spaziergang oder eine Wanderung begebe – für Tage, Wochen oder gar Monate. In der ARTis Galerie sind unter anderem Fotografien zu sehen, entstanden auf einer
40-tägigen Wanderung durch Italien und mit in der Landschaft aufgelesenen Objekten in Dialog gesetzt.
Ähnlich ergeht es Fotografien aus den 1940er Jahren: als Jugendlicher auf einem Dachboden in Büren gefunden, habe ich diese kleinen schwarz/weiss Abzüge seither aufbewahrt. Mit der Einladung zu dieser Ausstellung schien endlich der Moment gekommen, damit etwas anzustellen und so finden sie sich nun, thematisch gegliedert, zusammen mit eigenen Zeichnungen, zu Tableaus des Erinnerns und Suchens montiert. Sie schaffen Verbindungen zwischen bisher entstandenen Arbeiten innerhalb der Werke der Ausstellung, können kurzsilbig und zurückhaltend sein und in der genauen Auseinandersetzung komplexe Geschichten eröffnen.

Auf einem Spaziergang von Basel in Richtung Bosporus kam ich durch Österreich. Zwei kürzere Tagesmärsche nach Linz, am Rande des Konzentrationslagers Mauthausen, zwischen Tannen an einem rutschigen Abhang, dem Ort, der Aschenfriedhof genannt wird, weil hier Asche aus den Krematorien hingeschüttet wurde, die sich dort vermengte mit dem Hausrat und Abfall aus SS-Unterkünften, sass ich auf der feuchten Erde und klaubte daraus einen Gegenstand. Eine mit zersetztem Aluminiumblech eingepackte, geborstene, dicke Scherbe. Im blind gewordenen Glas, mit dem dunkeln, nicht mehr bestimmbaren Material dahinter, glaubte ich einen Spiegel zu erkennen, der sich ein Mensch in der Not selber gefertigt hat, um sich darin als solchen und als Lebenden zu erkennen. In Konzentrationslagern waren Spiegel verboten. Auf derselben Halde fand ich bald auch ein gläsernes Tintenfass und erlaubte mir, nach kurzem Zögern, beide Objekte einzupacken und mitzunehmen. Seither begleiten sie mich – ich zeichne sie ab, sie sind mir Ausgangspunkt neuer Lektüre und Fixpunkte kreisender Gedanken.
Auf dem Blatt «Lager» liegen Zeichnungen dieser zwei Objekte neben Aufnahmen des Polenlagers in Büren an der Aare, von 1943. Bei den Baracken aus Büren handelt es sich um einen internationalen Bautypus – die Aufnahmen könnten auch anderswo entstanden sein, in Treblinka oder Dachau, Ekibastus oder Kolyma.

Die Arbeiten sind Einladungen zum Entdecken, zum Hin- und Hergehen, zum Nachdenken und aufmerksam sein. Diese «Funde» wollen nicht auf längst vergangene Zeiten schliessen lassen, sondern fordern eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart.



Biografie
Jan Hostettler, *1988
Geboren und aufgewachsen bei Solothurn. Studium der Bildenden Kunst in Basel.
Lebt und arbeitet in Basel.

Einzelausstellungen
2019: Ausstellungsraum Delta II, Basel; 2018: Retro, Sic! Raum für Kunst, Luzern;
2017: Aussteigen, Kloster Dornach; Vision, die Diele Zürich;
2016: Aus Europa, Ausstellungsraum Klingental, Basel;
2015: Beweise, Kunsthaus Baselland, mit Katalog; Ziele, Galerie Cubus-m, Berlin; Zweifel, Galerie Bob Gysin, Zürich; Runout Nr.: 11, zqm, Berlin;
2014: Irrtum, Lokal-int, Biel; 2013: L’Ouverture, Raum Falko, Basel

Gruppenausstellungen
2018: Zusammenhänge zusammen hängen, Kunstmuseum Solothurn;
2017: Ins Zentrum - Radbilder & Räderwerke, Museum Bruder Klaus Sachseln; Voyage, Voyage! Kunstmuseum Olten; 33. Jahresausstellung, Kunstmuseum Olten;
2016: Hold On, Stadtgalerie Bern;
2015: Aeschlimann-Corti Stipendium, Kunstmuseum Thun; Veduten aus der Sammlung, Kunstmuseum Solothurn; Kiefer-Hablitzel Stipendium, Messe Basel; Lebenslügen, Fabrik-Culture, Hegenheim FR; Jahresausstellung, Kunstmuseum Olten
2014: Vom Aufwachen mit der bestehenden Ordnung, Filter IV, Basel; Künstlerhaus S11, Solothurn; Gap, Schwarzwaldallee, Basel; Trail Mix, Eastern Bloc, Montréal, Canada; Cadavre l’Espace (MURKS) Exquis; Ausstellungsraum Klingental, Basel;
2013: Warum ist Landschaft schön? Kunsthalle Basel; Jahresausstellung, Kunstmuseum Olten; Vitrine 03, Die Diele, Zürich; Dienstgebäude Zürich; Castelton Downtown Gallery, Ruthland VT, USA; Six sides of the cube, Deuxpiece at Bishop; Brooklyn NY, USA; Global Club, Oboro Centre d’Art, Montréal, Canada;
2012: 28. Jahresausstellung Kunstmuseum Solothurn; Cadavre l’Espace (FALTS) Exquis, Stadtgalerie, Bern;
2011: Seven Pacific, Kunstverein Duisburg, DE Kunst am Bau

Auszeichnungen & Stipendien

2019: 2. Platz, Wettbewerb Neubau Musée Histoire Naturelle Fribourg, mit APZ-Architekten Zürich;
2018: Pont – für Amt für Umwelt und Energie, Solothurn (in Ausführung); Kolk, Brunnen Utoquai Zürich, Wettbewerb 4. Platz, mit APZ-Architekten Zürich
2017: Förderbeitrag UBS Kulturstiftung; 2015: Reisestipendium, Atelier Mondial, Basel; 2014: Auszeichnungspreis des Kunstvereins & der Stadt Solothurn; Förderpreis Bildende Kunst, Kanton Solothurn;
2013: Atelierstipendium IAAB, Fonderie Darling, Montréal, Canada;
2012: Reisestipendium für Italien, Albert Friedrich His Stiftung, Basel

Einige seiner Arbeiten sind in öffentlichen und privaten Sammlungen untergebracht, so z.B. in: Kunstsammlung des Kanton Solothurn; Kunstmuseum Solothurn; Kunstmuseum Olten

Bibliografie
Jan Hostettler, Retro
Publikation zur Ausstellung:
Retro, Sic! Raum für Kunst Luzern, 2018

Jan Hostettler, Radius, Wanderung zur Mitte der Schweiz
Publikation als Werk in der Ausstellung:
Ins Zentrum - Radbilder & Räderwerke, 2017

Ins Zentrum - Radbilder und Räderwerke
Ausstellungskatalog, Museum Bruder Klaus Sachseln
Agon Press, Zürich & Bad Ragaz, 2017

Jan Hostettler, Beweise / Proofs
Ausstellugnskatalog, 2015
Herausgeber: Kunsthaus Baselland & Jan Hostettler
ISBN: 978-3-9524292-3-5


Jan Hostettler, Kreideskizzen 1
Schwarzwaldallee Basel, 2014



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